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Moosmutzel
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red dot design award
communication design 2012


Am 24.10. fand in Berlin die red dot gala 2012 statt, bei der die besten der besten aus so spannenden Kategorien wie Corporate Design, Annual Reports oder Interface Design ausgezeichnet wurden. Für precore.net hatte ich die Möglichkeit, mich unter die Designer zu mischen und mir ein Bild von dieser Veranstaltung zu machen.



Doch was ist der red dot design award ĂĽberhaupt?

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Das ist ein Design-Wettbewerb, der jährlich in den Bereichen Produktdesign, Designkonzept und Kommunikationsdesign ausgeschrieben wird. In zahlreichen Kategorien können Designer und auch Studierende ihre Arbeiten einreichen und auf eine der begehrten Auszeichnungen hoffen. Allein im Bereich communication design wurden dieses Jahr 6.823 Arbeiten aus 43 Ländern eingereicht. Das klingt schon mal gut. Doch es gibt auch Kritik.

Kritikpunkt 1: Es seien inzwischen zu viele Awards, die vergeben werden. Darum habe der Award nichts besonderes, nichts exzellentes mehr. In der Tat wurden unter den diesjährigen Einreichungen 511 red dots verliehen und 63 Arbeiten erhielten einen red dot: best of the best. Damit liegt die Wahrscheinlichkeit ausgezeichnet zu werden, bei rund 1:12. Ein guter Schnitt, über den sich jeder Studienbewerber freuen würde. Denn die Wahrscheinlichkeit einen Studienplatz zu ergattern, ist wie ihr wisst bei vielen Design-Studiengängen geringer.

Kritikpunkt 2: Die Anmeldekosten seien zu hoch. Wenn ihr als Junior eine Arbeit einreicht, zahlt ihr dafür je nach Kategorie zwischen 112 und 200 Euro. Das ist schon ordentlich. Und wenn man bedenkt, was manch einer allein an Materialkosten fürs Studium ausgibt, für viele unerschwinglich. Doch es kommt noch dicker. Wenn eure Arbeit ausgezeichnet wird, ist das ebenfalls kostenpflichtig. Ihr fragt euch jetzt sicher: Wie? Ich gewinne etwas – und muss dafür zahlen? Verkehrte Welt oder was? Aber genau so ist es. Als Junior-Preisträger zahlt ihr zwischen 771 und 1.140 Euro. Dafür dürft ihr den red dot auf eure Arbeit kleben, nehmt an der Gewinner-Ausstellung teil, erhaltet 2 Urkunden und werdet Teil des Jahrbuchs. Alles schön und gut. Aber wer bezahlt einem die Miete, Essen, Studienmaterialien? Einen Lichtblick gibt es: In einigen Fällen zahlt die Hochschule die Gebühren, doch verpflichtet ist sie dazu nicht.



Die Preisträger

Aber schauen wir uns doch mal die diesjährigen Preisträger an und machen uns ein eigenes Bild: die best of the best Preisträger

Mich persönlich haben viele Arbeiten beeindruckt. Bei all den tollen Posterserien, detailverliebten Annual Reports oder ausgefallenen Verpackungsdesigns konnte ich mich auf der Sieger-Ausstellung gar nicht satt sehen ;)


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Unter den ausgezeichneten Filmen, gefiel mir dieser hier besonders: followfish – Guter Fang
Super auch die folgende Arbeit aus der Kategorie Sound Design: Absolutes Gehör
Oder dieses witzige Corporate und Package Design fĂĽr ein Foodlabel: The Deli Garage


Doch bei einigen habe ich mich auch gefragt, wie es zu dieser Entscheidung kam. Was ist zum Beispiel so ausgezeichnet an Obstfiguren? Niedlich ist diese Aktion, keine Frage. Aber rechtfertigt sie einen Grand Prix – die höchste Auszeichnung – in der Kategorie Corporate Design? Oder das Plakat Open Happiness – das hätte ich auch locker einem Studienbewerber zugetraut. Letztendlich muss sich aber jeder selbst eine Meinung bilden.


Neben den großen Agenturen und Designern, die schon seit einigen Jahren im Berufsleben stehen, erhielten auch einige Studenten und Absolventen einen red dot (junior) award. Folgende Junior-Projekte wurden dieses Jahr mit einem red dot: best of the best geehrt (und ich finde, völlig zu Recht):

Das Magazin "NORTE 2 – Werden und Sein" – Das Buch "Ein Reisender" – Das Buch "101 Days of Drawing" – Das Buch "Yawar Fiesta"

Das "Guerilla Gardening Set" – Die Poster-Serie "Tweens Generation" – Die Poster-Serie "Was hat Venedig zu verstecken?"



Der red dot: junior prize

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Mit einer ganz besonderen Auszeichnung wurden die Absolventen Jens Kindler, Damon Aval und Stephen Erckmann geehrt. Für den Imagefilm der Hochschule Niederrhein erhielten sie den red dot: junior prize, die höchste Auszeichnung des junior awards. Neben den üblichen Würdigungen bekamen sie ein Preisgeld von 10.000 Euro für ihren Start in die Berufswelt.

Während ihres Studiums nahmen die drei erfolgreich an verschiedenen Wettbewerben teil und arbeiteten bei so namhaften Agenturen wie Ogilvy und Scholz & Friends. Dieses Jahr haben sie zusammen ihren Bachelor an der Hochschule Niederrhein gemacht. Stephen verdient heute seine Brötchen als Freelancer. Damon hat vor Kurzem bei Heimat Berlin angefangen und Jens arbeitet bei AixSponza in München.

Wir sprachen mit den drei frisch gebackenen Preisträgern:


Bild Stephen Erckmann, Jens Kindler, Linda Breitlauch, Damon Aval und Peter Zec
Fotonachweis: red dot design award


Wie lief die Bewerbung zum Designstudium damals fĂĽr dich ab?

STEPHEN ERCKMANN: Meine Mappe enthielt keine Zeichnungen, was es mir damals mancherorts relativ schwierig machte. In meinen Augen ist dieses Bewerbersystem ohnehin nicht besonders aussagekräftig. Es ist ja lange nicht so, dass jeder, der die Mappenprüfung besteht, auch ein guter Designer wird. An der Hochschule Niederrhein jedenfalls lag der Fokus der Professoren in erster Linie auf der Idee und nicht darauf, ob sie als Zeichnung, Fotografie oder Animation umgesetzt war.

DAMON AVAL: Das erfolgte über einen Umweg. Ich habe nämlich vorher erstmal zwei Jahre Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert. Habe mich damals einfach nicht getraut, eine Mappe zu machen. Nach vier Semestern habe ich dann aber festgestellt, dass ich gar keinen Bock auf dieses Studium hatte. Hab eine Mappe gemacht und wurde im ersten Anlauf direkt genommen. War ne reine Foto/Video-Mappe, weil's schnell gehen musste. Ich hatte nicht viel Zeit ;)


Warum hast du dich fĂĽr die Fachrichtung Design entschieden?

JENS KINDLER: Das war eine spontane Entscheidung. Eine damalige Schulfreundin brachte mich auf den Gedanken. Ich hatte mit dem Begriff Design bis dato noch nichts am Hut, wusste eigentlich nur, dass ich ganz gut zeichnen und malen konnte. Also stellte ich mir eine Mappe mit meinen vermeintlich besten Arbeiten zusammen und bewarb mich. Ich bin somit einfach Hals ĂĽber Kopf in dieses Studium gerutscht, ohne eine Vorstellung zu haben, was mich eigentlich erwarten wĂĽrde.

D.A.: Auch bei mir war das eher Zufall. Ich stand damals vor der Entscheidung, ob ich jetzt mein Abitur mache oder doch ein Fachabitur. Ich habe mit einer alten Schulfreundin telefoniert und sie meinte, dass es jetzt ein Fachabitur in Gestaltung gibt. Damit konnte ich damals noch nichts anfangen. Was macht man als Gestalter? Sie meinte, da musst du mit einer Mappe hingehen und wenn sie dich nehmen, wirst du gestalterisch-kĂĽnstlerisch ausgebildet. Und ich dachte, versuch ich's doch mal. Als ich jĂĽnger war, fand meine Mutter es unglaublich wichtig, dass ich zeichnen lernte. Und so hatte ich gleich ein paar Arbeiten fĂĽr die Mappe und konnte sofort anfangen. Die Schulzeit hat mir gezeigt, dass es mir echt SpaĂź macht, gestalterisch zu arbeiten und dass Kommunikationsdesign genau mein Ding ist.


War das Studium fĂĽr dich die richtige Entscheidung? Was nimmst du aus dem Studium mit?

S.E.: Das Studium hat mir enorm geholfen, einen eigenen Stil herauszuarbeiten und ihn zu entwickeln. Ich habe im Studium an vielen Projekten gearbeitet, besser kann man nicht lernen. Ich habe gelernt, wie Design die Welt verändert und unser Handeln beeinflussen kann. Außerdem habe ich gute Kontakte in die Wirtschaft knüpfen können. Und es befinden sich ein paar gute Arbeiten mehr in meinem Portfolio.

D.A.: Ja definitiv die richtige Entscheidung. Gerade im Kommunikationsdesign ist es wichtig, seinen eigenen Standpunkt innerhalb des Designs zu finden, eine Meinung zu vertreten, um gesellschaftlich relevante Themen herauszuarbeiten. Man muss ein Gespür für soetwas entwickeln, um darauf basierend gute Kommunikation zu machen. Außerdem konnte ich mich gut damit identifizieren, wie im KD-Studium gearbeitet wird: Die Projektarbeiten, in denen man selbst frei Themen aussucht und bearbeitet. Man sucht allein oder in der Gruppe die Lösung für ein Problem und muss am Ende voll dahinterstehen.

J.K.: Ich habe gelernt, dass kreativ zu sein nicht nur bedeutet, ein Logo zu designen, sondern es vielmehr eine Art und Weise ist, sein Leben zu gestalten.


Hast du ein paar Tipps fĂĽr unsere Designbewerber?

D.A.: Viele denken, sie müssen fertige Sachen mitbringen. Jede Schattierung muss korrekt, jedes Foto mit Stativ gemacht sein. Dieser ganze Perfektionismus ist eigentlich eher falsch. Es kommt viel mehr darauf an, dass man innerhalb der Mappe erkennt, dass da jemand selbstständig arbeiten und Themen finden kann. Ich glaube, im ersten Moment wird gar nicht so stark bewertet, wie gut eine Lösung umgesetzt ist. Sondern einfach nur, ob ein Bewusstsein dafür da, sensibel genug mit gesellschaftlchen Themen umzugehen, um daraus resultierend etwas zu schaffen, das Relevanz hat.


Hast du ein paar Tipps fĂĽr unsere Designstudenten?

S.E.: Im Studium spielt immer die eigene Motivation die größte Rolle. Man kann ein Studium auch "erfolgreich" beenden, ohne irgendwas gelernt zu haben. Überlegt euch, wo ihr hinwollt. Arbeitet darauf hin. Probiert euch aus, entwickelt eure eigene Art zu gestalten, denn das wird euch am Ende von anderen unterscheiden. Lasst euch nicht verbiegen.

J.K.: Ich wĂĽrde ihnen raten, nicht zu versuchen, sich auf eigene Faust durchs Studium zu schlagen, sondern sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun, um Ideen zu entwickeln und dabei seine Erfahrung zu teilen.


Was motiviert dich?

D.A.: Nicht jedes Projekt – gerade im werblichen Kontext – erweckt deine Motivation. Bis vor Kurzem noch im Studium oder auch jetzt bei freien Arbeiten ist meine Motivation klar zu experimentieren und etwas zu erschaffen. Etwas zu schaffen, was dann vielleicht bei der Gesellschaft etwas hinterlässt. Etwas zu machen, wo man dahinter stehen kann. Klar ist das schwierig in der Werbung und es klappt auch nicht immer. Aber das ist die Herausforderung tagtäglich auf der Arbeit: Immer wieder dafür zu kämpfen, dass gute Sachen entstehen.

J.K.: Mich motiviert bei der Arbeit die Suche nach neuen Bildern, um Geschichten zu erzählen, Menschen durch dieses Medium zu faszinieren und zu unterhalten.


Verdankst du den red dot: junior prize der UnterstĂĽtzung deiner Hochschule, deinem Engagement, deinen Skills, einer guten Teamarbeit mit deinen Kommilitonen? Oder alles zusammen?

D.A.: Abgesehen von unserer tollen Gruppe, also Jens, Stephen und mir, habe ich meinen Professoren ziemlich viel zu verdanken. Torsten Kraus, mein Professor für digitale Medien, und Richard Jung, mein Professor für Werbung und PR – die beiden haben es geschafft, mich mit ihrem Denken zu infizieren. Von den beiden habe ich enorm viel gelernt. Ob das jetzt strategisches und konzeptionelles Denken ist oder kreatives Arbeiten im digitalen Kontext. Und meine Skills? Ich konnte ja nix. Meine Motivation dahinter war Treiber dafür, dass ich viele Dinge erlernt habe, von denen ich gar nicht gedacht hätte, dass ich sie mal lernen werde.

S.E.: Ich glaube, das lässt sich nicht so einfach sagen. Wir haben als 3er-Team schon häufiger zusammen gearbeitet und wissen, dass wir uns gut ergänzen und aufeinander verlassen können. Die Hochschule hat uns außerdem enorm viel Vertrauen geschenkt; wir hatten so gesehen absolute Narrenfreiheit. Zu viel Freiheit kann einen manchmal überwältigen, aber wir wussten ziemlich früh, in welche Richtung wir mit dem Film wollten. Das Gesamtpaket hat am Ende zu dem Ergebnis geführt.


Es gab ja in letzter Zeit viel Kritik zu den hohen Teilnahmekosten des red dot awards. Warum lohnt es sich trotzdem fĂĽr Studenten beim red dot mitzumachen?

S.E.: Prinzipiell wird eine gute Arbeit durch einen Award nicht besser. Aber die Wahrnehmung für diese Arbeit verändert sich durch eine Auszeichnung elementar. Als Berufseinsteiger ist es eine Chance, sich zu profilieren und seinen eigenen Wert zu unterstreichen, was in der gut gefüllten Design-Branche extrem hilfreich ist. Viele Unternehmen suchen nach jungen Talenten häufig unter den Gewinnern solcher Awards und sprechen diese an. Der red dot speziell ist einer der bekanntesten Design-Preise, sogar meine Mutter hat davon bereits gehört. Das ist natürlich toll für uns, mit unserem Imagefilm so eine Reichweite zu haben.

D.A.: Klar es ist fragwĂĽrdig, wenn man viel Geld dafĂĽr zahlen muss, um eine Auszeichnung zu bekommen. Aber paradoxerweise bringt es einen weiter. Das klingt vielleicht banal, aber Auszeichnungen in deinem Portfolio werten dich als Kreativen auf. AuĂźerdem sind die Arbeiten, die beim red dot gewinnen echt gut. Da wird ja kein Schrott ausgezeichnet. Man bekommt auch was fĂĽr sein Geld: Man hat diesen Award, kommt mit Portrait ins Jahrbuch und man kriegt auch etwas PR. Ich denke, es ist einfach gut, wenn man diesen Award als Plattform nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen.


Was kommt fĂĽr dich in der Zukunft? Wo siehst du dich zum Beispiel in fĂĽnf Jahren?

S.E.: Ich stehe gerade am Anfang meiner beruflichen Karriere, da sind fĂĽnf Jahre enorm viel. Ich will in diesen 5 Jahren gute Arbeiten realisieren und sehen, wohin diese mich treiben.

D.A.: Ich möchte das Preisgeld dazu zu nutzen, einen Traum von mir zu verwirklichen: Im nächsten Sommer werde ich nach New York fliegen, um dort eine Bewerbungsrunde zu machen. Also vielleicht werde ich in fünf Jahren durch die Motivation, die ich erhalten habe, in New York sein und dort als Designer arbeiten :)

J.K.: Soweit möchte ich noch nicht in die Zukunft blicken. Ich lasse mich einfach überraschen, bin mir aber sicher, dass ich weiter als Kreativer arbeiten werde. In welcher Form wird sich zeigen.


Wir danken den Preisträgern und wünschen alles Gute für die Zukunft.




Für alle Produktdesigner: Derzeit läuft die Anmeldephase für den red dot: product design 2013 und am 18.12.2012 werden hierfür
50 kostenfreie Plätze für junge Produktdesign-Talente vergeben.

Die diesjährigen "best of the best" sowie ganz großartige Arbeiten von 601bisang – der "agency of the year" – können noch bis
6. Januar im red dot design museum in Essen bestaunt werden.
Di Dez 04, 2012 4:26 pm


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